Auf ein Wort
mit Pfarrer Albrecht Kessel
Auf ein Wort
Einen Feiertag mehr, nehmen wir gerne mit. Pfingsten ist ein eigenartiges Kirchenfest, denn es ist nicht so populär wie Weihnachten oder Ostern. Der Heilige Geist ist nicht mit Händen zu greifen. Dadurch haben wir auch keine äußerliche Tradition wie die Geschenke oder die Ostereier, bei der man etwas tun kann. Vielleicht müssten wir mit bunten Windrädern in der Hand durch den Ort laufen, damit das Fest populärer wird. Allerdings würden wir dann auch Gefahr laufen, dass die eigentliche Bedeutung verflacht wird.
Wenn wir uns auf die Suche nach dem tiefen Sinn des Pfingstfestes machen, dann müssen wir natürlich auf den Anfang der Apostelgeschichte schauen. Beim jüdischen Erntedankfest haben sich viele Menschen in Jerusalem versammelt um zu feiern. Vielleicht war das wie bei unserer Kirchweih, dass Gottes Haus im Mittelpunkt steht, aber auch drum herum kräftig gefeiert wird. Deshalb haben manche gemeint, dass es in dem einen Haus wohl mit Betrunkenen hoch hergeht. Tatsächlich gab es eine andere Ursache: Gottes Geist hat die Jünger Jesu beflügelt und sie aus sich herausgehen lassen. Da war plötzlich Energie da, welche die Angst überwinden konnte. Es spielte keine Rolle mehr, dass Jesus nicht mehr da war. Gottes Kraft hat von den Jüngern Besitz ergriffen. Von Flammen erzählt die Apostelgeschichte und von der Begeisterung, mit der sie von ihrem Glauben erzählen. In Begeisterung steckt ja buchstäblich der Geist drin. Für mich ist Gottes Geist eine Kraft, mit der wir rechnen können und auch müssen. Diese Kraft können wir erbitten, aber nicht erzwingen. Und manchmal ist sie da, obwohl wir sie in dem Moment gar nicht haben wollen. Nicht alles geht eben nach unserem Willen.
Pfingsten ist ein nicht so leicht begreifliches Fest, es ist aber gut, dass wir es mit zwei Feiertagen begehen. Und wem es zu luftig und zu wenig handgreiflich ist, der kann ja eine Tradition erfinden, Windräder in die Blumenkästen stecken oder begeisternde Dinge machen.
Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer
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